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Bericht über unseren langjährigen 'wici'-Café-Chef: Jamil Jamou im 'Willisauer Bote'

Eine schöne Anerkennung 
für unseren langjährigen 'wici'-Café-Chef: 
Jamil Jamou.
im 'Willisauer Bote':


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Text aus dem Zeitungsartikel:

Via Kaffee zurück ins Leben

LIEBESDIENST Hoch die Tassen! Auf Jamil, den «Barista» des an Donnerstagen in Willisau stattfindenden Café International. Der Böttu machte den Gastgeber zum Gast.

von Stefan Bossart

«Jalla, jalla!» Jamil ist ganz aus dem Häuschen. Er sitzt auf dem Beifahrersitz, während es seinem Namen alle Ehre erweisenden «Chabisstutz» hinaufgeht. Der Motor des weiss-roten Böttu-VW-Busses mit Jahrgang 1970 schnappt nach Luft. «Genauso tönte mein Auto in Syrien», sagt Jamil in gebrochenem Deutsch, während sich sein graumelierter Oberlippenbart mit den Mundwinkeln nach oben zieht. Ein gewohntes Bild: Immer fröhlich, immer gut gelaunt und vor allem äusserste zuverlässig sei er, berichten Reto Danuser und Irma Schwegler vom Leitungsteam des «Wici», wie das Café International in Willisau liebevoll genannt wird.

Arbeit kommt vor dem Vergnügen

«Jamil hat es verdient, einmal so richtig verwöhnt zu werden», sagt Irma Schwegler. Ein Wunsch, der im Rahmen der Sommerserie «Liebesdienst» in die Tat umgesetzt wird. Für einmal soll der 63-jährige Syrer keinen Kaffee servieren, sondern diesen bei einem Dessert im Hotel Menzberg einfach geniessen können. Jamil lässt sich «öberschnörre». Doch seinen Dienst im «Wici» einfach sausen lassen? Denkste! Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Daran hält Jamil eisern fest. Und so geht an diesem Donnerstagnachmittagzuerst alles seinen gewohnten Gang.

Eine Narbe, die mehr als 1000 Worte sagt

Strichlein setzen. Für jeden Gast eines. Wer durch die Türe tritt, wird auf Jamils Liste vermerkt. Trotz Ferienbeginn finden sich an diesem Nachmittag 23 Personen im Pfarrei- und Begegnungszentrum Maria von Magdala ein. Jamil hat alle Hand voll zu tun. Die Kaffeemaschine surrt, die vollen Tassen finden ihren Weg auf die von ihm vorbereiteten Unterteller. Ein Briefchen Zucker, ein Rähmli, ein «Chrömli». So hat er es von seinem Vorgänger gelernt, so sorgt er als «Kaffeechef» des multikulturellen Treffens für die Grundlage jener Gespräche, die den Raum erfüllen. Mit dem Finger auf dem Knopf des Jura-Vollautomaten beginnt auch Jamil zu berichten. Von seinem früheren Leben. Von damals, als er mit seinem klapprigen Bus tagtäglich zur Pflanzenbörse gefahren ist. Was er dort einkaufte, zog seine Frau Awasch auf dem familieneigenen Hof nahe der türkischen Grenze gross. «Wir waren Grossbauern, fuhren auf den Markt und bauten auf unserem Betrieb auch Oliven, Feigen und Trauben an.» Mutter und Vater, Onkel und Tanten, Enkel und Nichten – sie alle wohnten in unmittelbarer Nachbarschaft. Wohnten. Von Deutschland über Belgien bis nach Australien hat es seine Verwandtschaft verschlagen. Geflüchtet vor Milizen und plündernden Gruppen. Mit dem Maschinengewehr im Anschlag kam für sie Jamils Sippe Freiwild gleich. Kurden und gläubige Jesiden zu sein – dies bezahlten einige seiner Verwandten mit dem Tod. «Ob nachts oder unter tags, nie waren wir sicher», sagt Jamil und rollt sein Hemd empor. «Glatter Durchschuss. Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort», sagt er und zeigt die Narbe an seinem Unterleib. Der Zwischenfall änderte sein Leben grundlegend. Ein lahmes Bein, eine Krücke. Vorbei war die Arbeit auf dem Hof, vorbei sein gewohntes Tagwerk. Jamil wischt sich mit dem von seiner Frau zugeschobenen Taschentuch die eine Träne vom Gesicht. Zwischen Kaffeetassen, fröhlich herumrennenden Kindern braucht er as an diesem Nachmittag noch einige Male.

Die Flucht und die Dankbarkeit

«Nachdem mein Sohn bei einem Autounfall ums Leben kam, war meine eigene Familie schutzlos.» Jamil entschloss, mit seiner Frau, seiner Schwiegertochter und deren drei Kindern die Flucht zu ergreifen. Im Dunkeln machten sie sich auf den Weg. Je ein Kind auf den Armen. Die beiden Frauen voraus, den gehbehinderten Jamil oft weit hinter sich im Schlepptau. Nachdem sie die türkische Grenze passiert hatten, führte ihre Reise über Griechenland und den Balkan in die Schweiz. «Wir haben alles verloren, aber uns behalten dürfen», sagt Jamil. Stolz sei er auf seine Frau, auf seine Enkelin und seine zwei Enkel. Vor allem jedoch auf seine Schwiegertochter, die ihren Kindern eine gute Mutter sei, eine Arbeitsstelle gefunden habe und sich mit viel Fleiss in der Schweiz ein neues Leben aufgebaut hat. «Ein Job wäre auch mein Traum. Mit Blick auf mein Alter und meine Behinderung wird dieser wohl nie mehr in Erfüllung gehen.»

Aus Fremden wurden Freunde

«Ohne Arbeit ist niemand glücklich», sagt Jamil und fügt an: «Das freiwillige Engagement im Wici hat meinem Leben wieder einen Sinn gegeben. Ich werde gebraucht.» Gleichzeitig konnte er Tasse um Tasse in Willisau Tritt fassen. «Bei den nachmittäglichen Kaffeerunden hat man uns geholfen, wenn wir Papiere der Behörden nicht verstanden oder ich mit ärztlichen Formularen total überfordert war», sagt Jamil. Und zu guter Letzt habe er 3400 Kilometer von seinem bis heute vermissten Zuhause neue Freunde gefunden. Die einen haben ihm sogar einen «roten Flitzer» vererbt. So nennt er sein vierrädriges und elektrisch betriebenes Gefährt, dank dem er im Städtchen die Einkäufe für die Familie erledigen und dabei mit die Hand zum Gruss erheben kann. Kaffee verbindet. Dem Wici sei Dank!

Ganz herzlichen Dank, Jamil, 
für deine sehr gute Arbeit, deine stetige Aufmerksamkeit 
und deine grosse Freundlichkeit.

Du wirst von allen im wöchentlichen 
'wici'-Begegnungs-Café sehr geschätzt!



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