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Bring- und Holmarkt

Ein Bring- und Hol-Markt: 
Der Vorschlag kam aus dem Leitungsteam. Ich war zuerst etwas skeptisch - obwohl wir schon einmal vor ziemlich genau sieben Jahren erfolgreich eine ähnliche Kleiderbörse durchgeführt hatten. 

Doch damals waren die Verhältnisse ganz anders. Das «wici»-Café hatte 2019 wöchentlich noch rund dreimal mehr Gäste – fast alles Geflüchtete, die erst seit kurzer Zeit in der Schweiz waren. Sie waren froh um gespendete Kleidungsstücke, das Geld war besonders knapp und zum Anziehen hatten viele nur das Nötigste.

Die heutige Gästeschar des Cafés ist eine andere. Mütter, die zum Teil arbeiten, oder deren Männer, die einen Lohn beziehen. Nur noch sehr wenige sind vom Sozialamt abhängig und viele haben inzwischen vieles angeschafft, was man zum Leben braucht.

Es ging ja nicht nur darum, dass Sachen gebracht wurden – wichtig war für mich auch, dass jemand sich daran bediente. Sonst ist es frustrierend, wenn man am Ende alles wieder nach Hause tragen muss.

Aber selbstverständlich wollten wir es wagen.
Ganz ohne Geld – einfach schöne und sinnvolle Dinge bringen, aussuchen, probieren und mitnehmen. 
Nicht nur Kleider, sondern alles, was jemand vielleicht brauchen könnte. Zuerst einmal im kleineren Kreis mit den 'wici'-Gästen, ohne weitere Bekanntmachung oder zusätzliche «Spenden» aus der Bevölkerung.

Und wir wurden wieder einmal gewaltig überrascht.

Schon bald mussten die Auslagetische zusammengerückt und mehrere zusätzliche Tische aufgestellt werden. Zum Glück hatten wir einen grösseren Saalanteil im Pfarreizentrum reserviert – und auch bekommen. Danke!

Mit Taschen und Schachteln beladen kamen unsere Gäste besonders zahlreich, darunter sogar einige neue Personen, die wir noch nie gesehen hatten. 
Etwas, das uns besonders gefreut!

Nach anfänglicher Schüchternheit wurde es immer lebendiger in unserem Markt. Es wurde probiert, angepriesen und gelobt. Ich behaupte, dass alle etwas gefunden haben und bei allen Spendern vieles «wegging» – bei einigen mehr, bei anderen etwas weniger. Nebst vielen schönen und gepflegten Kleidern für Gross und Klein kamen auch sehr viele Spielsachen, Kinderbücher und Haushaltsgegenstände zusammen. Zum Teil neuwertig, weil vielleicht unpassend gekauft oder nur an Sonntagen getragen.

Sogar ich habe mich bedient, als der Markt sich dem Ende zuneigte: ein dickes Hemd und eine warme Wolljacke. 
Ich muss zugeben: Im ersten Moment waren es nicht die Muster in Brauntönen, die ich sonst trage. Aber jetzt kann ich es kaum erwarten, im kommenden Winter einmal etwas anderes zu tragen.
"Beides stammt von meinem Vater", sagte mir die sympathische Naomi mit strahlenden Augen und grosser Freude. Sie freue sich sehr, dass diese gut erhaltenen Kleidungsstücke nun weitergetragen würden und sie genau wüsste, von wem sie künftig getragen würden.

Das war überhaupt eine Besonderheit gegenüber dem Brocki: Man wusste, von wem etwas kam und wer es später brauchen würde. Ein zusätzliches Glücksgefühl, das ich auch bei meinen mitgebrachten Sachen empfunden habe.

Am Ende luden wir noch die Kinder der angrenzenden Tagesstruktur ein, weil noch einige Kinderbücher und Spielsachen übrig waren – und schwupps, war alles weg! Manche Mutter staunte sicher, dass ihr Kind am Abend nebst Spielsachen auch noch T-Shirts, Pullover oder Hosen mit nach Hause brachte, die ihm besonders gefallen hatten.

Der Markt war ein überraschender Erfolg – die Begeisterung und Freude war allen anzusehen und wurde auch immer wieder geäussert. Also doch ein gelungener Anlass.

Wir werden ihn im Herbst wiederholen und vielleicht wird er zu einem jährlichen Bestandteil unserer Veranstaltungen im Café.

Besten Dank an alle, dass ihr so toll mitgemacht habt.



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