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Singen verbindet – die Begenungsfeste – ein Erfahrungsbericht



Singen verbindet

Das war ein Motiv des 'Projektchor Willisau' für das Chorprojekt 'INTERNATIONAL'.  Die beiden Begegnungsfeste in Willisau und Reiden, als Beitrag zur kantonalen Aktionswoche 'Asyl', haben das eindrücklich auch bestätigt. Auch wenn man erst wenig Gemeinsames hat, die Sprache kaum spricht, anderes isst, anders aussieht oder angezogen ist. Die Musik, das Singen verbindet  alle Menschen dieser Welt.


 In nur sechs zweistündigen Proben wollte die musikalische Leiterin, Moana Labbate, ein stündiges Chorprogramm mit Liedern aus aller Welt zur Aufführung bringen. Nach der ersten Probe hatte ich so meine Zweifel. Fünfzig Singende – geübte und ungeübte, verschiedene Sprachen, ungewohnte Tonfolgen, unterschiedliche Herkünfte, andere Mentalitäten und Gewohnheiten – das zu Verbinden konnte nicht einfach sein. Doch unter der professionellen Leitung von Moana entstand schnell etwas Gemeinsames, Harmonisches und Rhythmisches, das man Vortragen konnte. 

Wie viele Besucher würden am Samstagabend in Willisau kommen? Ich hoffte auf etwas über Hundert – weit mehr als das Doppelte drängte sich dann an diesem schwülen Sommerabend ins Rathaus mitten im Städtchen. Mehr Stühle! – und überall zu wenig Platz, im Saal, auf und vor der Bühne und auf den fünf grossen Tischen für das internationale Schlemmerbuffet. So sass man halt auch auf dem Boden, stand an den Wänden und in den offenen, breiten Eingangsportalen. Mancher hörte auch von draussen zu und drinnen auf der Bühne, rückte man einfach etwas zusammen. Viele bekannte Gesichter – Migranten und Einheimische, Familie, Freunde und Nachbarn. Besucher/innen vom 'wici' und dem Frauentreff. Mitglieder/innen vom Projektchor oder aus anderen Willisauer Chören und Musiken und Vertreterinnen von der Stadt und den Kirchgemeinden. Das ist ein Zeichen der Wertschätzung. Das ehrt uns, die wir uns für die Integration einsetzen, das gibt Kraft und Hoffnung – Integration in Willisau funktioniert und Singen verbindet – es lebe die Musik.


Viva la Musica, mit diesem Lied aus Italien begann unser Vortrag, nachdem das Alphorn von Jörg Wisler mit urchigen Naturtönen zum Singen und Zuhören aufgerufen hatte. Lieder aus West-Afrika, aus Finnland, aus England, aus Spanien und Afganistan. 'Maienwind am Abend' brachte kein kühles Lüftchen auf die Bühne, aber 'Banuwa', mit seiner rhythmischen Arm-Akrobatik mich aus dem Takt.
Leona, traditionell albanisch gekleidet, tanzte vor. Lya Bayru, eine bekannte Sängerin im Heimatland, sang für uns mit zarter Stimme 'Alaleie'. Ihre eritreischen Mitflüchtlinge begleiteten sie und auch der Saal klatschte mit. Ein schönes Liebeslied vorgetragen von aparten Frauen in wunderschönen, farbigen Festtagskleidern. Dazu Mengsteab, mein Freund, stattlich ganz in Weiss. Nur das traditionelle Stöckchen in seiner Hand machte mir etwas Angst. Auch die Geldnote, die er der Sängerin auf die Stirne klatschte, so wie es in afrikanischen Ländern üblich ist, wirkte auf mich ebenfalls etwas befremdlich. Doch auch das ist Integration, dass wir uns mit dem Fremden, dem Ungewohnten und deren Traditionen auseinander setzen.


Singen verbindet, auch was die Kleidung betrifft. Luzerner Tracht, traditionelles albanisches Gewand, afrikanische Festkleidung und Schweizer Sommermode, alles passte irgendwie zusammen und geschwitzt hat man in allem. Und dann die Frisuren der eritreischen Frauen – sicher nicht immer praktisch, aber wunderschön gelockt.
Die Mitsingenden aus Afghanistan und Iran sangen dann in ihrer gemeinsamen Sprache 'Dari' und wir wiederholten den Refrain – das war gar nicht so einfach. Das hätte bei den bekannten Mani-Matter-Lieder, die Pius Kunz vorgetragen hat, besser funktioniert – aber er sang solo. Wir hingegen ruderten noch ein Boot aus England (Row your boat) und lobten mit 'Yemaja' aus Westafrika, die Göttin des Meeres. Mit 'Jan dan duja' haben wir in die weite, kahle Landschaft von Finnland gerufen und mit 'Banuwa' aus Liberia, setzt man auf Weine statt auf die schönen Mädchen. (Vielleicht bin ich darum ständig aus dem Takt gefallen).




Die kurdische Musikgruppe 'Peldan' aus der Region Bern-Biel brachte uns mit ihren Instrumenten – oud (arabische Laute) und Tambur (gezupfte Langhalslaute)  – die traditionelle kurdische Musik näher. Jan Hoto konnte sie für Willisau begeistern. Als Kontrast, Markus Amrein und Pius Kunz mit Schwyzerörgeli und Kontrabass. Danach sangen wir südafrikanisch 'Hambani kahle', das heisst „Gehen wir in Frieden den Weg, den wir gekommen sind“, dabei war gar noch nicht Schluss. Denn nun zeigten mir die Singenden vom Projektchor wie es tönt, wenn man Talent hat und viel probt.  Mit dem abschliessenden 'Buurebüebli' verbanden sich alle im Rathaus wortwörtlich – „noch vüra, noch hindra, noch rechts, noch links…“

 
Ich meine, wir haben unsere Sache gut gemacht und unsere Ziele erreicht. Wir hatten viel Spass bei den Proben und wir sind uns alle etwas näher gekommen. Auch die beiden Aufführungen waren ein grosser Erfolg und unsere Zuhörer haben begeistert geklatscht. Ein besonderes Lob gilt den Jüngsten, sie haben immer toll mitgemacht. Ihre Unbekümmertheit hat die Herzen aller im Sturm erobert.


Singen verbindet – und gibt Durst und Hunger.  Also auf zum reichhaltigen Buffet. So viele Spezialitäten aus so vielen Ländern, bei sechzehn habe ich aufgehört zu zählen. Ich als früherer Koch war ganz begeistert. Da haben sich ganz viele – ich nehme an, es waren vor allem Frauen, unter der Leitung von Karin Leichtle vom Frauentreff – sehr viel Mühe gegeben. Ganz herzlichen Dank!
Doch nun war etwas Geduld gefordert. Denn das Gedränge um die Tische mit den Platten und Schüsseln war lange Zeit sehr gross.
Alles war schön beschriftet. Da wollte man lesen, probieren, diskutieren und fragen, während mein Magen knurrte. Aber die Somalierinnen, alles Muslima, mussten auch noch bis halb zehn mit dem Essen warten. Erst dann ging der Ramadan für dieses Jahr zu Ende. Also, auch der Hunger verbindet – in allen Religionen knurrt der Magen gleich.
 'Zigni' und 'Injera' aus Eritrea, Tomaten mit Feta aus Griechenland, 'Sheqer', Pikantes aus Albanien, Gemüsekuchen und Schnittchen mit Aufstrich aus verschiedenen Ländern, Gemüsestängeli mit Saucen, 'Kurdisches Backlava', 'Unkurabi' aus der Türkei, 'Rüeblitorte' aus dem Aargau, 'Kokoskuchen' aus Serbien, Früchte aus Afrika und Süssspeisen aus Somalia. So viele unbekannte Gerichte und Häppchen im Gaumen, verschiedenste Geschmackskombinationen auf der Zunge und fremdartige Düfte in der Nase – ein Fest der Sinne! Zum Schluss nahm ich dann noch etwas 'Magenbrot', man kann ja nie wissen…


 … denn auch am nächsten Tag gab es wiederum ein reichhaltiges Buffet, beim zweiten Auftritt in Reiden. Die dortige Integrationsgruppe war Partner beim Projekt und hat am Sonntagabend ebenfalls zum Begegnungsfest geladen. Auch dort warteten schon viele Leute, als ich endlich das Richtige der vier gleichnamigen Gebäude gefunden hatte. Das Einsingen war schon halb vorbei. In Reiden begleitete uns ein Dudelsackspieler und ein Rapper in Italienisch. Auch unser ein Auftritt ist wieder gelungen – man könnte sich jetzt bald daran gewöhnen – und wieder erwartete uns ein tolles internationales Buffet, draussen bei schönstem Wetter.

Es waren zwei herrliche Begegnungsfeste und ein toller Betrag von Willisau und Reiden zur kantonalen Woche 'Asyl'. Ganz herzlichen Dank und ein grosses Kompliment allen, die das ermöglicht und in irgendeiner Form mitgeholfen haben. Wenn man sich verbindet, erreicht man sehr viel. Das war eindrücklich!

Nun stellt sich bereits die Frage: „Und was machen wir im nächsten Jahr in der 'Asyl'-Woche?“
Zum Glück haben wir noch etwas Zeit.
Zuerst geniesse ich nun noch etwas die vielen schönen Eindrücke und Erinnerungen – die Auftritte, die Begegnungen, die Gaumenfreuden und den Applaus.
Denn auch heute klingt es noch nach: Banuwa, Banuwa, Banuwa yo… im Kopf und ein bisschen Wehmut im Herzen.
 

© Bericht: Reto Danuser Fotos: Susanne Kurmann

Fotos vom Fest
Über 100 Fotos vom Fest in Willisau  
kann man HIER ansehen und 
wenn man möchte herunterladen. 
Herzlichen Dank an Susanne.


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